Wie alles begann

Wer sich für die anfängliche Geschichte des Alternativen Kulturzentrums interessiert, kann sie hier etwas zusammengefasst nachlesen.


Am Anfang war, wie bei so vielen Sachen, die Idee. Und wie dass bei anfänglichen Ideen so ist, hat der Mensch so einige Vorstellungen, deren Umsetzung in die Tat sich dann doch ganz anders gestalten.

Seit wir jung sind (und das ist überhaupt nicht lange her), bilden wir in Recklinghausen eine gar nicht mal so kleine Gruppe von Leuten, die sich aus verschiedensten Gründen immer wieder zusammengefunden hat. Sei es, weil die Leute zusammen zur Schule gegangen sind, miteinander gefeiert haben oder einfach nur im Stadtgarten von Recklinghausen rumgegammelt haben.

Irgendwann etablierten einige von diesen Leuten, von denen heute auch manche schon nicht mehr hier wohnen innerhalb ihrer AntiFa-Bewegung ein Gebäude, bzw. eine Etage, in Recklinghausen, das neben den gedachten politischen Aktionen und Auseinandersetzungen auch Platz und Freiraum für weniger politisierte Menschen bot. Man hatte eben eine eigene Hütte, in der sich die eigenen Sachen realisieren ließen.

Leider kam es irgendwann durch einige Umstände dazu, dass diese wunderbare Grundlage aufgegeben werden musste. Nichts desto trotz hatten einige Leute kurz darauf die Idee, dass etwas ähnliches her muss, das Ganze vielleicht einen neuen Namen und Rahmen braucht, und dass man einige Leute mehr und kleinere Gruppen aktiv involvieren möchte. Es sollte vielleicht etwas tragbarer sein, als die vorrangegangene Epoche des subkulturellen Zusammenlebens in Recklinghausen, die ja im Grunde einiger Probleme wegen das Aus gefunden hatte.

Es wurde sich für einen Verein entschieden, um den ein oder anderen Vorteil für sich beanspruchen zu können, wenn es um Rechte und Möglichkeiten ginge. Alternativ sollte es sein, unsere vermeintliche Subkultur mittragen (vor allen Dingen nach Außen) und natürlich auch wieder Platz für Politik und Verständigung untereinander bieten. Das Alternative Kulturzentrum Recklinghausen war geboren. Wir wurden als Verein eingetragen, und versuchten von nun an einige andere Leute von dieser Idee zu begeistern, denn die alten Räumlichkeiten waren schon länger nicht mehr, und so richtig glaubte wohl auch niemand daran, dass sich etwas ähnliches noch einmal auftun würde.

Tat es aber, nur Anfangs ohne geeignete Räume. Wir trafen uns in der Altstadtschmiede, einem von der Stadt getragenen Jugendtreffpunkt in der Recklinghäuser Innenstadt und machten uns Gedanken darüber, wie die genauen Inhalte dieser Vereinigung aussehen sollten. Zeitgleich waren wir auf der Suche nach einem Gebäude, welches das neue zu Hause für unsere gemeinsamen Ideen sein sollte, sowie nach mehr interessierten Mitgliedern, die letztendlich auch die Räume mitfinanzieren sollten.

Es war nicht einfach, überhaupt ein geeignetes Gebäude zu finden, dass unseren Ansprüchen, aber auch finanziellen Möglichkeiten entsprach. Hatten wir allerdings mal eins gefunden, sah es oft so aus, dass die Eigentümer sich etwas anstellten und wir ihnen wohl nicht ganz geheuer mit unserer Idee waren.

Also suchten wir weiter. Und während wir so suchten, kam plötzlich jemand mit einer Möglichkeit, die irgendwo gehört wurde: Die EU gibt für Projekte wie wir zur Zeit eines versuchen auf die Beine zu stellen finanzielle Unterstützung. Wir hatten nichts zu verlieren und formulierten der entsprechenden Behörde unser Anliegen und Vorhaben. Um es einfach und kurz zu halten: wir bekamen das Geld. Ganze 7.500 Euro – mehr oder weniger zur freien Verfügung im Sinne des Aufbaus unseres Vereins.

Um uns den jungen und auch älteren Leuten Recklinghausens vorzustellen, besorgten wir uns am 1. Mai 2002 auf dem Festspiel-Hügel Recklinghausens einen Platz. Dort stellten wir ein etwas größeres Zelt auf und richteten drunter eine Chill-Zone ein. Bei angenehmer Musik und mit guter Laune versuchten wir den interessierten Leuten darzustellen, was wir vorhaben und warum wir das vorhaben. Außerdem wollten wir noch mehr junge Leute finden, die uns bei unserer Idee und der Umsetzung unterstützen sollten. Der Tag war in einiger Hinsicht ein großer Erfolg.

Um an diesen anzuknüpfen, organisierten wir im August ein Sommerfest auf dem Gelände der Recklinghäuser Drogenberatungsstelle (DROB). Es spielten einige Bands, wir verkauften Getränke und es gab einiges zu Essen im Angebot. Auch hier waren die meisten Leute sehr begeistert von den Möglichkeiten. Das Feedback war große Klasse.

Als wäre ein Startschuss gefallen, klappte es dann Ende Sommer 2002 auch mit einer geeigneten Räumlichkeit im wundeschönen Süden Recklinghausens (wirklich unterschätzt). Eine alte Kneipe sollte unser neues Aktionsfeld, unser neuer Freiraum sein. Die Lage konnte kaum besser sein (wir hatten schlechtere gesehen) und das Gebäude war das, was wir brauchten.

Nun ging es daran die Räume zu renovieren und daraus eine einigermaßen angenehme Atmosphäre entstehen zu lassen, in der man Konzerte geben kann, aber auch mal gemütlich bei einem Getränk rumhängt. Es wurde eingerissen, angepasst umgestrichen, Licht und Ton installiert und eine hübsche Theke in den Café- und Kneipenbereich gebaut. Vor den Bühnenbereich unserer kleinen Club-Bühne haben wir Sofas und Sessel platziert, die bei Konzerten dem stehenden Publikum weichen.

Am 22. März 2003 eröffneten wir offiziell die Türen unseres Vereins für interessierte Besucher und zahlende Gäste. Vorher fand schon die eine oder andere Fete und Party statt. Sylvester werden wohl viele nicht vergessen haben.

Nun könnte der Leser denken: Ist ja alles ganz glatt gelaufen. Doch die Probleme kamen mit der Zeit. Wir hatten bereits einige Veranstaltungen hinter uns und die Gäste waren größtenteils begeistert, als das Ordnungsamt uns nach circa drei Monaten untersagte weiterhin einen öffentlichen Betrieb mit und in diesen Räumlichkeiten zu betreiben. Wir hatten keine Konzession.

Da wir noch etwas Geld hatten, saßen wir nur bedingt in der Klemme. Wir mussten also anfangen uns um den Amtsteil zu kümmern. Das gestaltete sich eine Zeit lang als sehr schwierig, da die vorherige Benutzung der Räume einer anderen entsprach, als der unsrigen. Also musste da was geändert werden. Zum einen schriftlich zum anderen auch innerhalb der Räume. Außerdem beantragten wir die besagte fehlende Konzession.

Es hatte alles so gut begonnen und jetzt stolperten wir ein paar Monate durch den Amtsjungel. Mal klappte hier was nicht, dann verzögerte es sich dort wieder. Es machte langsam keinen Spaß mehr und das merkte man auch am Interesse der Mitglieder, die immer weniger halfen. Kurz bevor wir alles angepasst hatten, die rechtliche Grundlage fast gegeben war und die mögliche Wiedereröffnung in sichtbare Nähe rückte, überlegten wir für eine Weile wirklich, inwieweit sich das alles noch lohnt. Auf der einen Hand sicher eine Konsequenz aus den Problemen und teilweise Strapazen, die Anfangs kaum ein Ziel in Sicht brachten, auf der anderen auch eine gerechtfertigte Überlegung Aufgrund des schwindenden Interesses alleine bei den Mitgliedern.

Doch ein kleinerer Kern, hatte sich entschieden weiterzumachen und nicht alles fallen zu lassen, was wir bis dahin geschafft hatten. Wir bekamen unsere benötigten Nachweise und im Gegenzug dazu vom Ordnungsamt endlich unsere Konzession. Unsere Freude begoss sich in einer großen, lauten Neueröffnungs-Party am 13. September 2003 mit vielen Gästen, viel Musik und viel Spaß.

Seit dem läuft das AKZ an einigen Tagen ganz gut, an anderen wieder weniger. Wir haben ein festes und ein wechselndes Programm, an dessen Ideen wir ab und zu noch arbeiten. Was immer gut ankommt sind unsere Live-Konzerte, die bisher immer angenehm besucht waren.

Ansonsten möchte das AKZ Möglichkeiten bieten. Möglichkeiten die Räume auf verschiedenste Art und Weise zu nutzen, was in Recklinghausen sonst nicht so einfach ist, da die Stadt eine ähnliche Einrichtung für Menschen in diesem Alter nicht bereitstellt. Unsere Ansprüche an uns selbst sind die größtmögliche Unabhängigkeit unseres Vereins sowie die Überparteilichkeit, die es uns ermöglichen ohne Einfluss der Stadt Re oder anderer Institutionen zu agieren und weiterzukommen. Außerdem möchten wir eine Basis schaffen, die es der vermeintlichen Subkultur, die wir mit prägen, ermöglicht einen Platz zu haben, an dem sich diese Kultur auch als solche erkennen kann und da heraus ein produktives und progressives Vorrankommen in vielerlei Hinsicht möglich ist. Das AKZ möchte sich auch als eine politische Basis für aktive und interessierte Menschen im Kreis RE verstehen. Es möchte teilweise politisieren, ein Bewusstsein für Ansichten und Geschehen schaffen, und zeigen, dass man trotzdem mal eine Party feiern kann.

Wir wollen noch einiges erreichen, vor allen Dingen mehr Menschen, denen unsere Idee etwas geben kann und denen sich die Räume des Zentrums als Möglichkeit darstellen.